Die Grundlagen. Was ist Spagyrik?

Trenne und Verbinde!

(Auszug aus meinem Workshopskript. Teil1, Grundlagen der Alchymie, PFLANZENALCHYMIE)

 

 

Vom Himmel kommt  es, Zum Himmel steigt es, Und wieder nieder Zur Erde muß es, Ewig wechselnd.

Zitat: Johann Wolfgang von Goethe

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Die Grundidee der Spagyrik 

Spagyrik bedeutet wörtlich „trennen und verbinden“ und wurde aus den griechischen Wörtern

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abgeleitet.

Dies entspricht der lateinischen alchemistischen Anweisung:

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In der Regel wird heutzutage die alchemistische Heilmittelbereitung darunter verstanden, aber das ist im Grunde nicht „die Spagyrik“ denn es ist nur ein – ursprünglich von Plotin erdachtes Wort – von Paracelsus vorgeschlagener Begriff, der den Namen Alchemie ersetzen sollte, weil er zu seiner Zeit schon sehr in Verruf geraten war.

Gehen wir von der heutigen verstanden Spagyrik als Heilmittelbereitung der Heilpflanzen aus, so müssen wir verstehen, das Heilpflanzen  ein bestimmtes „Wesen“ haben, welches z.B. durch das Aussehen ihres Körpers, ihre Inhaltsstoffe, ihre bevorzugten Wachstumsstandorte und ihren Stoffwechsel, zum Ausdruck kommt (dies läßt sich z.B. durch die alchymische SIGNATURENLEHRE bestimmen). Die Spagyrik stellt dieses Pflanzenwesen so rein wie möglich dar und überführt sie in eine entsprechende Heilwirkung. Damit wird die Heilwirkung einer Pflanze überhaupt erst richtig nutzbar geacht.

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Hierzu wird die Pflanze zuerst in ihre „Grundprinzipien“ zerlegt (in die Tria Prinzipia, Merkur, Sulfur, Sal) dann werden diese „Grundprinzipien“ gereinigt und schliesslich werden die Einzelbestandteile (NICHT Moleküle oder Stoffe!) wieder zum spagyrischen Heilmittel vereinigt.

Die spagyrische Zubereitung eines Stoffes zielt niemals darauf ab, einzelne Wirkstoffe zu isolieren ! ! ! !

Durch die spagyrischen Aufschlussverfahren soll vielmehr die heilende Kraft eines Stoffes oder einer Pflanze in ihrer Gesamtheit dem kranken Menschen nutzbar gemacht werden.

Auch hier gilt wie bei so vielen anderen Erscheinungen die alte Weisheit:

“ Das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile!“

Eine hermetische Grundidee lautet

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Die Alchemie

Betrachten wir also einmal die Alchymie an sich. Sie ist die „feuerkünstige Wissenschaft der Alten“ und stellt modern ausgedrückt eine nichtlineare holistische Universalwissenschaft dar. Das eben besprochene Prozessprinzip der Alchymie, finden wir ÜBERALL in der Natur, NICHT nur in der Pflanzenheilmittelbereitung! Wir finden dieses in den Jahreszeiten, in den Tageszeiten, im Sterbe und Inkarnationsprozess, ja alles ist dem

ewigen Strib und Werde (Goehte)

unterworfen und damit Spagyrik! Die ALchymie arbeitet AUSSCHLIEßLICH, im Lichte der Natur, bzw. der Natur nach. Damit ist die Alchemie spagyrische Kunst!

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Deshalb verwenden Alexander v.Bernus (berühmter dt. Alchymist und Dichter) und Paracelsus die Begriffe „Alchemie“ und „Spagyrik“ synonym:

»Darum so lern Alchimian, die sonst Spagyria heißt, die lehret das Falsch scheiden vom Gerechten (Paracelsus). «

Entsprechend Alexander von Bernus:

Das ist die Alchymie, die zeitlose, uralte, die stufenweise aufwärts führt in der Erkenntnis durch kosmische Weiten bis zum Ursprung und zum Baum des Lebens «.

Die Alchemie aller Naturen funktioniert, wie gesagt, nach dem spagyrischen Prozeßprinzip:

Wie der Naturschöpfer die spagyrische Entwicklung des Stofflichen (Universum, Mensch, Tier, Pflanze, Metall, Mineral, usw.) initiiert hat, so will gleichsam der Alchemist in seinem Laboratorium die spagyrische Entwicklung des Stofflichen (Metall, Mineral, Heilmittel, usw.) initiieren und beschleunigen.

Die Alchemie erforscht, „wie die Natur im Schaffen lebt“. Sie strebt nach spiritueller bzw. „geistraler“ Erfahrung der kosmischen Zusammenhänge. Diese Erfahrung führt zu der Einsicht, daß sich die Natur zu einer im göttlichen Geist, dem Allgeist, vorbestimmten vollkommenen kosmischen Ordnung wandelt. Diesen Wandlungsprozeß versucht der Alchemist in seinem Laboratorium zu initiieren und zu beschleunigen. So sind die Alchemistischen Präparate (spagyrische Heilmittel) als Naturneuschöpfung zu verstehen, deren wesentliche Heilkräfte im Laboratorium des Alchemisten fortlaufend intensiviert werden.

Die Stoffe zur Herstellung spagyrischer Arzneimittel stammen aus dem Pflanzenreich, dem Mineralreich und dem Tierreich.

Jeder Stoff ist aus den 3 philosophischen Prinzipien (oder 3 „Substanzen“, den 3 Essentialen)

MERKUR, SULFUR und SAL

aufgebaut.

Die Begriffe MERKUR (oder Quecksilber), SULFUR (oder Schwefel) und SAL (oder Salz) haben mit der üblichen Bedeutung dieser Stoffe in der Chemie nichts zu tun !!!

Der Alchemist meint mit

MERKUR

das anonyme Lebensprinzip, die von Gott gegebene unpersönliche Lebenskraft, das Flüchtige, das Ätherische.

Die solar-erhitzende Geisteskraft zur Formung, bewirkt die spagyrische Entspannung, Lockerung und damit die Ausdehnung des Stofflichen zur Freilegung seines geistigen Gehalts.

SULFUR

die Seele, die Psyche, das Bewusstsein, die Intelligenz.

Die geistige Forminformation des Stofflichen, kann durch die Lockerung des Stofflichen, und somit von jeglicher stofflichen Verhärtung „befreit“, allgeistige Erhöhung erfahren.

SAL

Die lunar-abkühlende Geisteskraft, bewirkt die spagyrische Verdichtung und Festigung des Stofflichen. Im Verlauf der spagyrischen Verdichtungsphase strahlt die mercurielle Lösungskraft langsam ab, so daß der relative Einfluß der formhaltenden Kraft des Sals steigt. D.h. die mercurielle Hitze (Kraft) wird durch die salische Kälte (Gegenkraft) abgekühlt, so daß das Stoffliche, nach der erhöhten Information des Sulphurs, aushärtet.

Das Feste, den Körper, das mineralische oder stoffliche Grundgerüst.

Die 3 philosophischen Prinzipien sind in Form von Materie unseren Sinnen zugänglich. Die Materie zeigt sich in den Zustandsformen strahlend oder ätherisch („Plasmazustand“), flüssig, gasförmig und fest.

Diese Erscheinungsformen werden als die 4 Elemente

Feuer, Wasser, Luft und Erde 

bezeichnet.

Mit dem Begriff „Element“ werden die Eigenschaften der Stoffe beschrieben. Dabei sind nicht die physikalischen Phänomene selbst gemeint, sondern immaterielle Prinzipien, die damit verglichen werden (siehe auch mein Artikel in der Zeitschrift raum& zeit, Nr. 199, „Die Entstehung der Elemente“, Ehlers Verlag)

Es gelten folgende Zusammenhänge:

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Jede Pflanze hat alle Elemente in sich, wobei in der Regel eines überwiegt.

Die Kunst der Heilmittel-Spagyrik besteht nun darin, die Eigenschaften der Stoffe möglichst rein und vollständig in Heilmittel zu überführen. Sie will vor allem das geistige Prinzip der Heilpflanze erschliessen und so dem Kranken nutzbar machen.

Wer also die Natur bereiten will, muss durch ihre Schule !

WIRD FORTGESETZT